Samstag, 24. Juni 2017

Wein auf Kos und Leros

Die Weine der Ägäischen Inseln sind hierzulande kaum bekannt: keine großen Winzernamen, in den Weinführern nicht existent, in Deutschland kaum erhältlich. „80 Prozent allen Weins der Dodekanes entsteht auf Rhodos“, beschreibt Wikipedia den Weinbau auf den Dodekanes. „Daneben ist der Weinbau auf Kos ebenfalls gut strukturiert … während auf … Leros praktisch nur für den Hausverbrauch produziert wird.“ Und doch können die beiden Inseln Kos und Leros mit kleinen Schätzchen überraschen. Vorherrschend sind die beiden regionaltypischen Rebsorten Assyrtiko und Malagousia (auch: Malagouzia). So hat jedes Weingut der beiden Inseln ein Verschnitt dieser beiden Weißweinsorten im Angebot. Daneben findet man u.a. auch Chardonnay oder Rotweinsorten wie z.B. Cabernet Sauvignon oder Syrah. Die Weine werden hier nicht am Berg, sondern aus klimatischen Gründen in der Ebene angebaut.
Vorab sein erwähnt: Für etwa 8 Euro bekommt man in anderen Regionen Weine, die sicherlich besser sind. Und doch habe ich die Weine auf Kos und Leros gern genossen. Denn mit ihrem individuellen Geschmack unterstützen sie das Erleben der Region und seiner kulinarischen Eigenheiten ideal. Zum frisch gefangenen Fisch ist ein Assyrtiko-Malagousia-Weißwein ein guter Partner. Und auch zuhause passt der Wein zum griechischen Hauptgang ganz hervorragend.
Beginnend auf Kos muss man leider feststellen, dass ein Besuch der Weingüter eigentlich nicht lohnt. Am Tresen stehend darf man sich die Proben zu Gemüte führen, wird von einer netten jungen Damen dabei beobachtet, darf dann ein paar Flaschen kaufen und wieder abtreten. Schade, denn die Weingüter mit ihrer modernen Architektur sind eigentlich optisch recht ansprechend und mit ihrer Lage auch gut zu erreichen. Doch von Weinkultur keine Spur. Gemütlich geht anders. Zum Glück sind die regionalen Weine auch im Supermarkt (zum gleichen Preis) erhältlich.
Der Assyrtiko-Malagousia des Weinguts Hatziemmanouil (direkt an der Hauptstraße in der Nähe der Kreuzung nach Tigáki, Preis: 8 Euro) wurde 2017 in Lyon mit Silber ausgezeichnet. Das Aroma ist von einer stark fruchtige Note (Zitrusfrüchten und Pfirsich) geprägt, die frische Säure ist keinesfalls unangenehm.
Malagousia im Verschnitt mit Sauvignon Blanc gibt es beim Weingut Triantafyllopoulos (von der Hauptstraße abbiegen Richtung Lagoudi/Zia, Preis: 8 Euro). Auch hier kommt wieder die recht fruchtige Note zum Tragen, abgerundet durch eine schöne frische Säure. Desweiteren wird ein Chardonnay präsentiert, der einige Monate im Eichenfass lag (8,70 Euro). Hier will ich nicht ungerecht sein: Ich mag Weißweine aus dem Eichenfass einfach nicht. Aber wem’s gefällt…
Es gibt in der Nähe von Kos-Stadt (ebenfalls direkt an der Hauptstraße) noch das Weingut Mesariano, welches sich mit organisch-biologischem Weinbau beschäftigt. Allerdings sind mir diese Weine leider nicht begegnet.
Und auf Leros? Auch hier findet man die Symbole der Weinroute. Im Norden der Insel findet man das Weingut Hatzidakis (an der Hauptstraße hinter Kamara, online nur bei bei Facebook), welches sich mit dem stolzen Markennamen „Iokallis“ auf die Gottheit Artemis bezieht. Auch hier wird ein Assyrtiko-Malagousia-Verschnitt (7,20 Euro) mit den beschriebenen Eigenschaften angeboten. Allerdings haben uns die Weine von Kos mehr überzeugt. Folgt man der Weinroute weiter bis fast nach Blefouti, versteckt sich dort noch ein weiteres Weingut namens Isihos, welches ich allerdings nicht besucht habe.
Alles in allem ist es immer wieder ein schönes Erlebnis, lokale Weine zu entdecken. Auch auf Kos und Leros waren die Weine angenehme Begleiter der Speisen. Oder auch einfach nur so.
Foto: Klaus Heidemann, Weingut Hatzidakis auf Leros

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